Der Prozess mit dem Kongress

BAYREUTH
von Eric Waha
Nordbayerischer Kurier

Die Frage steht immer noch bleischwer im Raum: Braucht Bayreuth ein Kongresszentrum? Am Ende des Gezerres um das Konzept mit der Brauerei Maisel, das zum Teil unwürdige Züge angenommen hatte, stand die Rolle rückwärts des Stadtrats: Dieses eine wollen wir nicht, aber wir hätten natürlich schon gern eins. So ist es nur logisch, dass die Architekten Peter und Dirk Ellmer Morgenluft wittern für ihre Idee, ein Kongresszentrum an die Stadthalle anzugliedern. Brigitte Merk-Erbe selbst hat die Idee kurz im Kurier-Interview aufgegriffen, ohne konkret zu werden oder in die Tiefe zu gehen.

Natürlich hätte eine solche Kombilösung Charme. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können, ist auf  jeden Fall günstiger, als einen Solitär zu bauen. Und die Stadthalle als reines Theater statt als Allzweckhalle zu betreiben, ist ohnehin der Wunsch der Zuschauer auf der einen und der Techniker, Schauspieler und Musiker auf der anderen Seite. Reines Theater heißt bessere Akustik, bessere Möglichkeiten, weniger Kompromisse. Zudem ist es tatsächlich eine kluge Idee, dass eine Stadthallensanierung ohne größere Probleme, was die Ausweichspielstätte betrifft, durchgezogen werden könnte, wenn man in die direkte Nachbarschaft ausweichen kann: in den Kongressteil. Die Parkplätze auf  dem Geißmarkt, die dem Anbau zum Opfer fallen würden, würde außerdem ohnehin kaum einer vermissen: Es parken ja nur sehr wenige dort.

Für eine Kombilösung spricht auch noch etwas: Die Nähe zu dem, mit dem Bayreuth in den nächsten Jahren massiv punkten können wird, dem Welterbe, den Bauten Wilhelmines. Und natürlich der gefühlt besseren Anbindung an die Innenstadt, weil alles rund um Stadthalle und Kongresszentrum im verkehrsberuhigten Bereich zu erreichen ist.

Der weitaus wichtigste Punkt allerdings ist, dass der fünf Jahre alte Plan der Ellmers jetzt wieder Wellen schlägt und eine neue Standort-Diskussion auslöst, die einen kurzen Prozess unabdingbar macht. Und genau das ist in Bayreuth stets der Knackpunkt: Schnell geht gar nichts, mutig ist man auch eher selten. Die Stadträte und die Verwaltung müssen sich innerhalb weniger Wochen oder Monate erklären. Denn die Sanierung der Stadthalle duldet keinen größeren Aufschub mehr. Spätestens im kommenden Jahr müssen die Bauarbeiten beginnen. Es geht jetzt um viel Geld – das die Stadt nicht hat. Und die Frage: Brauchen wir ein Kongresszentrum?

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